Sonntag, 18. Dezember 2016

Wissenswertes zum Arbeiten im Kreis

Ich weiß, dass ich mich mit diesem Beitrag bei vielen Reitern sehr unbeliebt mache. Ich schreibe ihn trotzdem, denn das Thema brennt mir auf der Seele.

In der englischen Reitweise und auch in den Arbeitsreitweisen wurden junge Pferde immer schon zu Beginn ihrer Ausbildung im Kreis gearbeitet.  Die einen benutzten das Roundpen, die anderen die Longe und den Longierzirkel.

Waren die Pferde eingeritten, wurden sie im Gelände (bei der Arbeit, beim Militär) und auf dem Reitplatz weiter ausgebildet.

Kein Westernreiter kam früher auf die Idee, sein ausgebildetes Arbeitspferd drei bis fünf mal in der Woche im Roundpen im Kreis zu scheuchen. 
Warum auch?
Kein Englischreiter kam früher auf die Idee, sein ausgebildetes Reitpferd zu longieren. 
Warum auch? 

Heute ist das anders.
Das Wetter ist schlecht ... der Reiter hat zu wenig Zeit ... das Pferd kommt so
wild aus der Box und muss sich abreagieren ... der Reiter hat keine Lust zum reiten ... die Reithalle ist gerade so voll .... das Pferd soll "gymnastiziert" werden ... oder ... oder ... oder ...
Welche Gründe es auch immer sind, die Pferde werden bis zu ihrem Lebensende viel zu viel und viel zu oft im Kreis gearbeitet.

Warum zuviel?

Bei der Arbeit im Kreis, egal wie sie gestaltet wird, werden die Gelenke nicht gleichmäßig belastet, was zu Schmerzen und Krankheiten führen kann.
Wird das Pferd zusätzlich tief ausgebunden (zwecks vermeintlich hierdurch geförderter Rückentätigkeit), lastet zu viel Körpergewicht auf der Vorhand, wodurch die Gelenke der Vordergliedmaßen extrem belastet werden.  (Satiremodus an  * Hufrollenentzündung lässt grüßen * Satiremodus aus)
Das Ausbalancieren auf der Kreislinie fällt den Pferden schwer, deswegen neigen sie dazu, Muskeln anzuspannen, die während der Bewegung eigentlich losgelassen zwischen Spannung, Dehnung und Entspannung wechseln sollten. Je kleiner der Kreis, desto schlimmer, je schneller das Pferd, desto schlimmer. (Nein, Geschwindigkeit fördert nicht die Tragfähigkeit der Hinterhand.)

Warum gibt es in einem Fitnessstudio kein "Laufrondell"? 
Weil es kein Sportler benutzen würde. 
Im Kreis joggen schmerzt nach kürzester Zeit massiv in den Gelenken. 

Merken:

Die Arbeit mit dem Pferd auf der gebogenen Linie sollte nur in kurzen Phasen mit sehr häufigen Handwechseln und in Kombination mit Geradeaus-Lektionen stattfinden, damit das Pferd gesund bleibt. 

Bei gesunder Bodenarbeit ist die Biegung eine Lektion, die im Wechsel mit allen anderen Lektionen ausgeführt wird, aber niemals als Selbstzweck über einen längeren Zeitraum.





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Montag, 5. Dezember 2016

Wie schwer darf der Reiter für sein Pferd sein?


Da wir uns beim Physio-Riding  grundsätzlich an wissenschaftlich fundierte  Fakten halten,   können wir keine festen Zahlen / Prozentzahlen nennen, wie es gerne bei dieser Frage getan wird, sondern wir beurteilen gemeinsam mit dem Reiter das individuelle Paar und richten uns dabei nach folgenden 5 Fragen:

1.
Wie alt ist das Pferd

Das Knochengerüst des Pferdes – und vor allem die Lenden-Becken-Region - ist erst „fertig gewachsen und belastbar“, wenn das Pferd sein 7. Lebensjahr erreicht hat.
Allerdings richtet sich das Wachstum von Knochenstrukturen, Sehnen und Muskeln auch danach, wie das Pferd aufwächst.
Ein Pferd, dass bis zu seinem 10 Lebensjahr nur auf einer kleinen Weide spazieren geht und dann zum Reitpferd werden soll, wird eher gesundheitliche Probleme bekommen, als ein Pferd dass ab Jugend sorgfältig ausgebildet wird, weil die Strukturen im Körper des älteren Pferdes nicht auf eine zusätzliche Belastung vorbereitet sind.
Leider gibt es über diese Zusammenhänge bisher keine wissenschaftlich fundierten Studien bei Reitpferden.  

2. 
Wie lange sitzt der Reiter auf seinem Pferd?

Es ist ein großer Unterschied, ob ein Pferd auf einem dreistündigen Ausritt oder in einer 30 minütigen Dressurtrainingseinheit geritten wird.
Weiterhin ist es ein großer Unterschied, ob jemand während einer Reiteinheit konstant reitet oder in regelmäßigen Abständen absteigt.
Wer beispielsweise mit seinem Pferd einen 60 minütigen Ausritt macht und dabei 2 mal 10 Minuten lang absteigt und nebenher geht, belastet sein Pferd viel weniger, als jemand der 30 Minuten konstant versammelnde Dressurlektionen übt, denn in den 30 Minuten kann das Pferd nie vollständig den Rücken entspannen und frei bewegen.

Beim Physio-Riding verbinden wir sowieso gerne die Bodenarbeit nahtlos mit der Reiteinheit, wodurch der Pferderücken deutlich weniger belastet wird, das Pferd aber nicht langsamer lernt, als bei „normaler“ Ausbildung.

Wenn ich beispielsweise meinem jungen Pferd die Seitengänge auf Signal per Bodenarbeit (z.B. durch positive Bestärkung) beibringe und dann während der Reiteinheiten absteige, die Lektion am Boden 5 Minuten lang ausübe, anschließend wieder aufsteige und die Übung wiederhole, lernt das Pferd sehr viel leichter und stressfreier, als wenn der Reiter ziehend und drückend den Seitengang während des Reitens entwickeln will.

Ich kann auf diese Art auch junge Pferde reiten, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, weil ich in einer dreißigminütigen Ausbildungseinheit nie länger als 5 Minuten am Stück drauf sitze.  Die Pferde sind nach der Trainingseinheit weder erschöpft noch  gestresst und haben trotzdem (oder gerade deswegen :-)) sehr viel gelernt.

3.
Wie beweglich / sportlich ist der Reiter?

Ein Reiter muss in der Lage sein, seine Becken- und Lendenregion gut zu bewegen, um die Rückentätigkeit des Pferdes so wenig wie möglich zu behindern. Außerdem muss ein Reiter eine sehr gute Haltemuskulatur haben, um auf dem Pferd ein möglichst konstantes Körpergleichgewicht herstellen zu können. Drittens muss der Reiter mental gelassen und ausgeglichen sein, um sein Pferd stressfrei reiten zu können.

Jeder Reiter, der auf dem Pferd Muskeln anspannt, die beweglich sein sollten, behindert die Beweglichkeit seines Pferdes.  

Jeder Reiter, der aus Angst oder Unsportlichkeit mit den Beinen klammert oder sich am Zügel festhält, ist ein Risikofaktor für die Gesundheit des Pferdes.

Dieser Faktor ist viel wichtiger als die Frage, wie schwer der Reiter ist.  Ich kenne gertenschlanke Menschen, die die Rücken ihrer Pferde zuschanden geritten haben, weil sie während des Reitens nicht beweglich genug waren.

4.  
Der Körperbau des Pferdes

Das Pferd muss unter dem Reiter seine Lendenwirbelsäule aufwölben können, um das Becken und damit die Hinterhand gut bewegen zu können. Nur so ist es möglich,  dass es sich unter dem Reiter gut ausbalancieren kann.
Ist ein Pferd sehr kurz, passiert es leicht, dass Reitergewicht nicht nur auf dem stabilen Brustkorb lastet, sondern auch in der Lendenregion, was unbedingt vermieden werden sollte.

Übergewicht: Oft sieht man vermeintlich breit gebaute „Gewichtsträger“, die auf den ersten Blick so wirken als könnten sie auch schwere Reiter problemlos tragen. 

Diese Pferde sind aber nicht breit gebaut, sondern fett  gefüttert und somit erst recht nicht geeignet, auch noch zusätzliches Gewicht eines schweren Reiters zu tragen.


5.
Das Wissen und Können des Reiters

Ein Reiter, der gut ausgebildet ist, über fundiertes theoretisches Wissen verfügt und sein Pferd entsprechend sorgfältig reitet, erkennt die Zeichen, mit denen ein Pferd signalisiert, dass es überfordert ist und wird darauf reagieren.

Wenn beispielsweise das Pferd sich auf die Hand legen will, oder im Rücken nicht mehr locker weich schwingen kann, sind das Zeichen dafür, dass das Pferd die Hinterhand oder / und den Rücken ausruhen muss.
Wenn ein Pferd ungehorsam wird, ist es in aller Regel überfordert und verspürt Schmerzen
Wenn ein Pferd sich anspannt, hektisch wird, immer öfter scheut, ist es überfordert.

Die Lebensumstände des Pferdes: Ein Pferd, das durch eine gesunde Haltung (Offenstall, Aktivstall) und Fütterung gesund lebt, kann mehr tragen und leisten, als ein Pferd, dass in Boxenhaltung lebt und somit sowieso gefährdeter für gesundheitliche Probleme des Bewegungsapparates ist.



Empfohlene Maßnahmen             

Wenn ein Reiter Signale erkennt, die daraufhin deuten, dass sein Pferd überfordert ist, soll er die beachten und darauf reagieren.

Tierphysiotherapeutische Maßnahmen, wie beispielsweise die regelmäßige Massage und gut geplante Übungen zum Muskelaufbau (z.B. isometrische Übungen, Dehnungsübungen, Bodenarbeit)  sind beste Prophylaxe.

Durch fundierte Trainingsplanung, gutes Coaching und regelmäßige Videokontrolle sollte ein Reiter die Gesundheit des Pferdes immer im Auge behalten. Viele Risiken können so minimiert werden.


Wichtigstes Faszit:

Reiter, sei Du Dir Deiner Verantwortung bewusst und verdränge das Problem nicht, 
dann werden Dein Pferd und Du auch eine glückliche Zeit miteinander haben.

  

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Ausbildung zum Physio-Riding Coach:


Besser reiten mit Tai Chi und Qigong




Donnerstag, 3. November 2016

Franklinbälle für besseres Reiten

Physio-Riding Coach Konstanze Prüver hat die  Franklinbälle und Fazienrollen getestet. 
Hier ihr persönlicher  Eindruck:


Heute möchte ich Euch kurz berichten. Im Unterricht mit Claudia Christ durfte ich die Franklinbälle und Faszienrollen beim Reiten ausprobieren. Ich war davon sofort sehr angetan, so sehr, dass ich mir kurzerhand das Set von Eckart Meyners mit verschiedenen Bällen und Rollen gekauft habe. Die Bälle werden ein- oder beidseitig unter den Sitzbeinen, Oberschenkeln oder Oberarmen platziert. Die Wirkung ist verblüffend.
Die Bälle bzw. die Faszienrollen tragen dazu bei, dass sich die Muskulatur und die Faszien lösen. Darüber hinaus werden Bewegungen anders bzw. stärker auf den Reiter übertragen. Dieser ist gezwungen, sich ständig sich an die verändernde Situation anzupassen. Durch die vielen Variationsmöglichkeiten mit den Bällen können immer wieder neue Impulse gesetzt werden. Koordination, Balance, Reaktions- und Rhythmusfähigkeit werden geschult.
(Foto: Konstanze Prüver)

Die Bälle und Rollen können in allen Gangarten eingesetzt werden.
Mein Training sah heute z.B. so aus:
Da ich immer mal wieder mit Verspannungen in der Lenden- und Gesäßmuskulatur zu tun habe und dann merke, dass ich beim Reiten nicht gut mitschwingen kann und zu fest im Becken bin, favorisiere ich den einseitigen Einsatz der Franklinbälle unter den Sitzbeinen und danach die wassergefüllte Faszienrolle.
Auf den grünen Bällen bin ich im Schritt geritten. Ca 10 Min mit Wechsel der Gesäßhälften und mehreren Handwechseln. Danach ein paar Runden ohne Bälle. Ich habe sofort gespürt, dass ich mit beiden Gesäßhälften flächiger im Sattel sitze. Dann nochmal die wassergefüllte Faszienrolle. Mit dieser bin ich auch im Trab und Galopp geritten. Im Trab kann mit der Rolle nur ausgesessen werden. Ich fand es sehr anstrengend , weil man sich gut ausbalancieren muss und über die Bauch- und Rumpfmuskeln stabilisieren. Festklemmen geht nicht ;-), da man durch die Rolle etwas höher als normal sitzt und so die Lage der Beine verändert ist.
Galopp ist bei Jamiro und mir immer etwas „Baustelle“. Jamiro fällt es nicht so leicht sich auf die Hinterhand zu setzen und schön bergauf zu springen, weshalb er sich entweder im vorwärts verhält oder sehr flach im Galopp wird. Heute war es mit der Rolle, aber auch danach deutlich zu spüren, wie er den Galopp schön durchspringt und flüssig und rund auf dem Zirkel galoppiert. Nach dem Entfernen der Rolle fühlen sich die Gesäßmuskeln wie massiert an, weich und gut durchblutet. Man hat das Gefühl, den Sattel richtig auszufüllen. Ich konnte im Galopp ruhiger sitzen und besser mitschwingen.
Das tolle ist, dass man den veränderten Sitz sofort dem Pferd anmerkt. Jamiro kommt weicher in Anlehnung, kaut zufrieden, geht flüssiger vorwärts und nimmt schön den Rücken mit. Da wir beide auch immer mal wieder Zeiten hatten, in denen es nicht so gut lief und er gesundheitlich angeschlagen war und wir dadurch nicht richtig trainieren konnten, freue ich mich umso mehr über tage wie heute, wo alles rund lief.
Auch meine Reitschüler dürfen an den neuen Bewegungserfahrungen mit den Bällen und Rollen teilhaben. Ich kann es nur empfehlen.
Demnächst versuche ich auch mal mehr Fotos ......

Konstanze Prüver ist Dipl.-Psychologin, Physiotherapeutin und Reittherapeutin  

Kontakt:

Montag, 4. Juli 2016

Hilfe zur Selbsthilfe – 5 Schritte zu eigenverantwortlichem Reiten


Eine der Grundsätze des Physio-Riding Coaching ist: 

Erklärungen statt Anweisungen    

Der Physio-Riding Coach hat während der Zusammenarbeit mit einem Reiter das Ziel, sich selbst überflüssig zu machen. (Ironie-Modus an * Rein theoretisch betrachtet sollte jeder Reitlehrer dieses Ziel haben, einige viele vergessen das nur gerne. * Ironie-Modus aus

In der Realität sieht das so aus:


1.
Ein Ziel setzen
Der Reiter definiert ein Oberziel und wann er das erreichen möchte. Beispiele:
- A-Dressur auf dem Turnier in der nächsten Saison
- Harmonisch ausreiten in 3 Monaten
- Wanderritt 3 Tage im nächsten Frühjahr
- Perfekt sitzen in 2 Monaten
- Piaffe und Passage in 2 Jahren

2.
Die Analyse : Den momentanen Ausbildungsstand überprüfen
Im Gespräch und mit Hilfe von Videoaufnahmen wird der momentane Ausbildungsstand von Reiter und Pferd analysiert. Die fehlenden Puzzleteile zum Erreichen des Oberzieles werden als kleine Einzelziele festgelegt.

3.
Erklärungen der Probleme / Mängel / Fehler
Der Physio-Riding Coach  erklärt die Zusammenhänge:  Warum bestehen die Mängel und welche Maßnahmen beheben sie.  
Gründe für Mängel werden beispielsweise gesucht in den Bereichen
-Pferdegesundheit  im Rahmen der Tierphysiotherapie (Muskulatur des Pferdes, Verspannungen,  mangelnde Fitness, zu wenig Kraft)
-Reiterfitness (Sitzfehler aufgrund von Konditionsschwäche oder mangelnde Gelenkigkeit
- Mentale Fitness des Reiters und Pferdes (Das Denken auf dem Pferd für die perfekte Kommunikation mit dem Pferd, Angstverhalten erkennen und mental bewältigen, Haltung des Pferdes in Bezug auf psychologische Gesundheit, Ausbildungsmethoden in Bezug auf Angstverhalten analysieren)

4.
Trainingsplanung –  Ausbildungsstufen formulieren
Aufgrund der vorangegangenen Analysen und Erklärungen werden Trainingspläne aufgestellt, nach denen Reiter und Pferd arbeiten.
Die einzelnen Trainingsschritte werden so klein und so genau wie möglich festgelegt, damit der Reiter sich auf das Erreichen einzelner Stufen als Bausteine für die großen Ziele konzentrieren kann.

5. 
Umsetzung und Überprüfung = 2.  Ziele setzen / 3. Analyse
Hier schließt sich der Kreis.
Durch die  Kontrolle und das Setzen neuer aktueller Ziele kommt der Reiter auf seinem Weg kontinuierlich voran.



Der Ausbildungsweg des Physio-Riding führt sehr schnell zu Erfolgserlebnissen, denn er ist ein intelligenter Weg.  

Trotzdem ist er nicht für jeden Reiter geeignet.  

Nur wer folgenden Anforderungen gerecht wird,
ist fähig, mit dem Physio-Riding Konzept erfolgreich zu lernen:

1.       Bereitschaft, die eigenen Fehler zu akzeptieren
2.       Bereitschaft für ein Höchstmaß an Disziplin – täglich
3.       Bereitschaft zur Konzentration.



 Für weitere  Informationen zum Physio-Riding, Kontakte zu Physio-Riding Coaches und die Ausbildung / Fortbildung zum Physio-Riding Coach besuchen Sie bitte unsere Homepage:



 ACHTUNG! DER BEGRIFF PHYSIO-RIDING IST EIN GESCHÜTZTES MARKENZEICHEN.  

Sabine Bruns * Fehrenbruch 7 * 27446 Anderlingen * Tel: 04762 184 587

Dienstag, 31. Mai 2016

Gespräch mit meinem Pferd



Hey, komm raus, lass uns gehen.

Keine Zeit.

Ooch. Komm schon, ich trag dich auch.

Nein, ich sag doch, keine Zeit.

Was ist Zeit?

Ähm… der Lauf der Dinge, Morgens, Abends, Nachts…Von Sonnenaufgang zu Sonnenuntergang. Und ich muss jetzt hier noch was am Schreibtisch fertig schaffen, bis es dunkel ist. Deshalb habe ich keine Zeit.

Aber Zeit ist doch immer.

Nein, ja, aber … stöhn …  das kann ich dir nicht erklären. Das ist eben so.

Was musst du denn machen?

Arbeiten.

Was ist arbeiten?

Dinge tun um Geld zu verdienen.

Was ist Geld?

Davon kauft man Dinge.

Was für Dinge?

Essen, Trinken, Wohnung, Möbel.

Pferd sieht auf Wald und Weide.  Ist doch alles da.

Ich lache. „Klar, weil ich bezahlt habe.“

Was ist bezahlen?

Geld geben und dafür etwas bekommen.

Was bekommen?

Das Land, Möhren, Äpfel

Land und Essen ist überall. Kann man nicht nehmen oder geben.

Nein, ja, aber … stöhn …  das kann ich dir nicht erklären. Das ist eben so.

Also gehen wir jetzt, oder nicht?

Nein.

Aber wir brauchen keine Dinge oder Land oder Zeit. Ist alles da.

Und was ist, wenn du krank wirst und der Tierarzt kommen muss?

Muss nicht.

Muss doch, oder willst du sterben?

Was ist sterben?

Tot sein. Nichts mehr, alles vorbei.

Ganz vorbei?

Ja, ganz vorbei.

Dann brauchen wir auch nichts mehr.  Also kannst du jetzt auch kommen.

NEIN! Kann ich nicht!

Warum nicht?

Weil … (Augen verdrehen), ich habe doch versucht es zu erklären, aber du hörst ja nicht richtig zu!

Was ist erklären?

Reden damit Dinge verstanden werden.

Man versteht, wenn man hört. Die Vögel zum Beispiel. Immer gut zuhören!

Deshalb solltest du ja auch mir zuhören.

 Aber du weißt doch gar nichts.















Freitag, 6. Mai 2016

Fachfragen auf Facebook - 5 goldene Regeln


 Bitte, bitte, lieber Mensch, halte dich an diese Regeln:


1.
Wenn du eine Fachfrage zur Ausbildung oder Gesundheit deines Pferdes stellen willst, überlege, ob es wirklich in einer Facebookgruppe sein muss.  In der Regel ist eine persönliche Email an eine Fachfrau / einen Fachmann sinnvoller.

2.
Wenn du eine Fachfrage zur Ausbildung oder Gesundheit deines Pferdes in einer Facebookgruppe stellst, denke daran, dass Freunde antworten, die genauso wenig wissen wie du. Bevor du also einen Ratschlag befolgst, sieh genau in das Profil des schlauen Ratgebers, um zu beurteilen, ob er/ sie auch weiß, wovon er redet.  

3. 
Wenn du eine Frage auf Facebook stellst, denke immer daran, dass es vielleicht zu deiner Frage keine allgemein gültige, wissenschaftlich nachgewiesene, Antwort gibt, sondern die vielen Ratgeber nach Gutdünken raten.

4.
Wenn du eine Frage auf Facebook stellst, frage dich, ob du eine wahre Antwort erwartest, oder ob du auf eine Antwort wartest, die dir gefällt.

5.
Wenn du eine Frage auf Facebook stellst, frage dich immer, ob der antwortende Ratgeber dir wirklich helfen oder dir nur demonstrieren will, wie blöd du bist.

Dein Pferd dankt dir. 



Alles zum Physio-Riding / Zur Ausbildung zum Physio-Riding© Coach

Alles rund um die Tierphysiotherapieausbildung:

Alles rund um mein Projekt Tai Chi und Mentaltraining für Reiter:


Montag, 2. Mai 2016

Wie intelligent gehst du mit deinem Pferd um?

Intelligente Pferde brauchen intelligente Reiter

Aufgrund des nicht intelligenten Verhaltens vieler Reiter ihren Pferden gegenüber, halten auch die Pferde den Menschen in der Regel für dumm und nicht kommunikationsfähig, was zu einem  gegenseitig quälerisch unangenehmen Zusammenleben führt, wie in vielen Reitställen zu beobachten ist.  
Nicht selten dominiert gegenseitige Angst das Zusammentreffen von Pferden und Menschen, was zu Gewaltausbrüchen auf beiden Seiten führt.

In der Vergangenheit wurde jahrhundertelang Pferden jegliche Art von Intelligenz abgesprochen.
Ich habe als Kind noch gelernt: Alle Tiere sind dumm. Sie überlegen nicht, sondern handeln ausschließlich triebgesteuert und reflektorisch.  Sie fühlen auch nicht wie wir, sie sind wie bewegliche Pflanzen, die dem Menschen gefährlich werden können, deshalb muss man sie einsperren und kann sie auch schlachten und essen.

Auf diese gängige Überzeugung basieren alle Reitlehren. 
Die „normale“ Ausbildung von Pferd und Reiter beinhaltet Hilfen, die reflexartige Reaktionen auslösen sollen und / oder Schmerz erzeugen, dem das Tier durch die gewünschte Reaktion ausweichen kann.
Alle Anhänger der unter dem Begriff „Horsemanship“ gelehrten Methoden werden jetzt vehement widersprechen, doch auch diese Methoden basieren darauf, das Tier Reizen auszusetzen, die Reaktionen auslösen.  Während die „Kriegsreiterei / klassische Dressur“ körperliche Reize bevorzugt, wählen die „Horsmanship-Leute“ zusätzlich zu Kandare und Sporen auch  drohende Massnahmen (Scheuchen, Weg abschneiden, Seil schwingen), um bei ihren Pferden die gewünschten Reaktionen hervorzurufen.

Zu allen Methoden kann man hinzufügen, dass es nicht nur darum ging, dumme Pferde zu händeln, sondern es ging auch darum, Menschen das Reiten ohne Denken zu ermöglichen. In der militärisch orientierten Reitausbildung, wie wir sie auch heute noch kennen (Abteilungsreiten in der Reitschule, Dressurprüfung Turnier), ging es darum, Gruppen von willenlosen Menschen und Tieren in den Tot zu schicken , in den Arbeitsreitweisen (Viehtrieb) sollten (wollten) die Menschen das Pferd problemlos lenken, ohne darüber nachdenken zu müssen, um sich das Arbeitsleben leicht zu machen. Pferde waren Nutztiere, so wie wir heute Nutzfahrzeuge haben.

Man könnte auch sagen, die Militärreiter fahren mit mechanischem Getriebe, die Westernreiter mit Automatikschaltung, aber einen selbstfahrenden Computer kannten sie alle noch nicht.    

Heute sind Pferde Freizeitpartner. Wir wissen, das Pferde denken und intelligent agieren, wenn wir sinnvoll mit ihnen kommunizieren und auch Pferde erkennen die Kommunikationsfähigkeit des Menschen, wenn der sich nur ein wenig Mühe gibt. 

Wer heute noch kritiklos an den alten Methoden festhält, 
beweist nichts anderes, als seine Dummheit. 

Intelligente Reiter scheuen sich nicht, moderne Erkenntnisse in der praktischen Ausbildung von Reiter und Pferd zu berücksichtigen.



 Bitte laden Sie mich ein:

Abendvortrag / Tagesworkshop / Wochenendseminar:


Das intelligente Pferd und der intelligente Reiter - gesundes Reiten mit Verstand
Vermittlung theoretischer Zusammenhänge, Vorstellung intelligenter, moderner Ausbildungsmethoden, praktische Übungen

Weitere Infos, Preise und individuelle Ablauf-Absprachen gerne per Email oder Telefon.

Ich verfüge über 35 Jahre Pferdeerfahrung und praktiziere und unterrichte seit über 16 Jahren als Tierphysiotherapeutin.
Das Konzept Physio-Riding©  wurde erstmals im Jahr 2006 in der Fachpresse vorgestellt.

Sabine Bruns
Tel.: 04762 184587


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Alles rund um mein Projekt Tai Chi und Mentaltraining für Reiter:
www.reiterfitness.de








Mittwoch, 10. Februar 2016

Die Lende als Fixpunkt guten Reitens

In Reiterkreisen diskutiert man gerne, vorzugsweise über die Kopf-Hals-Haltung und die Verwendung von Gebissen oder gebisslosen Zäumungen.
Wer etwas mehr Sachverstand hat, diskutiert auch schon mal übers die Aktivität der Hinterhand und das Geraderichten.

Ich behaupte: Alle diese Diskussionen sind langweilig, wenn man sich der wahren wichtigsten Region des Körpers zuwendet, der Lende:

Bild links:
Das Becken ist mittels der Iliosakralgelenke (ISG - gelbe Pfeile) an der Lendenwirbelsäule befestigt. Da die ISG nicht beweglich, sondern bandhafte feste Verbindungen sind, kann das Becken nur mitbewegt werden, wenn  die Lendenwirbelsäule agiert.

Bilder unten :
links: Um sich das bewusst zu machen, hilft folgende Übung im Stehen oder auf dem Pferd: Man legt einen Finger auf den Hüfthöcker und kippt das Becken abwechselnd nach vorne und hinten.  Will man dabei im Oberkörper gerade bleiben, muss man die Lendenwirbelsäule bewegen. Bleibt man im Rücken steif, muss man den ganzen Oberkörper nach vorne oder hinten neigen, um das Becken entsprechend zu kippen.
rechts: Auch die Beckenbewegungen für Gewichtsverlagerungen funktionieren nur über Muskelarbeit in der Lende.




Bild links:

Beim Pferd ist der Körperbau nicht anders.
Auch das Pferd kann sein Becken nur mit der Lendenwirbelsäule bewegen. Das bedeutet:

Zur Gewichtsverlagerung in der Versammlung, die letztendlich die Kopf-Hals-Haltung bestimmt, muss das Pferd die Lende bewegen.

Zum Untertreten der Hinterhand in der Versammlung muss das Pferd die Lende bewegen.

Zur Körperbiegung zwecks Geraderichtung muss das Pferd die Lende bewegen,




Die Bewegung von Lende und Becken findet über verschiedene Muskeln statt. Im Rücken sorgen kleine Muskeln direkt an den Gelenken der Lendenwirbelsäule (LWS)  für die Streckung, im Körper sorgen tiefe Muskeln für die Beugung der LWS und schließlich sind auch die Bauchmuskeln erheblich an der Bewegung der LWS beteiligt.  


WICHTIG!

Der lange Rückenmuskel (Longissimus dorsi), im Bild orange dargestellt, streckt sich über die gesamte Wirbelsäule. Wird er angespannt, steht der Mensch gerade und steif,  die Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule und damit des Beckens ist blockiert. 

Auch dieser Umstand ist bei Pferd und Mensch gleich. 

Um das Becken und die Lendenwirbelsäule bewegen zu können, muss der lange Rückenmuskel entspannen. 

Aspekt aus dem Mentaltraining:

Wenn wir uns unsicher oder bedroht fühlen, spannen wir den langen Rückenmuskel instinktiv in Verteidigungsbereitschaft an. Dann ist gutes Reiten nicht mehr möglich.
Das gleiche gilt für das Pferd.  Fühlt es sich unsicher oder bedroht, oder verursacht der Reiter durch eine steife Körperhaltung ein unangenehmes bis schmerzhaftes Gefühl in der Sattellage, wird es den langen Rückenmuskel anspannen und damit die Bewegung von Becken und Lende massiv behindern.

Aspekt aus dem Tai Chi - Stabilität statt Steifheit

Die kleinen Bewegungsmuskeln rund um Becken und Lende müssen perfekt zusammen spielen können. Spannen die vorderen Muskeln an, müssen die hinteren entspannen und umgekehrt. Nur dann kann genügend Kraft und Stabilität erzeugt werden, um auch auf dem Pferd das eigene Becken so zu bewegen, dass der Reiter trotz Rückenbewegung des Pferdes Weichheit und Stabilität vereinen kann, ohne dabei steif zu werden.

Die verwendeten Bilder dieses Artikels stammen aus dem Buch
Physio-Riding mit Sabine Bruns, Verlag Müller-Rüschlikon. 
Das Skelettbild Pferd: Sabine Frank www.tierphysio-shop.de

Alles zum Physio-Riding / Zur Ausbildung zum Physio-Riding Coach:

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Alles rund um mein Projekt Tai Chi und Mentaltraining für Reiter: