Donnerstag, 5. Dezember 2013

Erkenntnisse über die Trainingstechnik „Lernen mit positiver Bestärkung“

Wer glaubt etwas zu sein, hat aufgehört etwas zu werden“ 
                                                                               Sokrates


Einer der Gründe, warum ich das Konzept PHYSIO-RIDING entwickelt habe, war die Erkenntnis aus der Tierphysiotherapie, dass ein Pferd nur dann gesund bleiben kann, wenn es sich während der Zusammenarbeit mit dem Menschen wohl fühlt. Jede Art von Angst und Stress sorgt für konstante Muskelanspannung, die gutes Reiten verhindert und das Pferd auf Dauer krank macht.

Grundlegender Bestandteil der Ausbildung des PHYSIO-RIDING war deshalb von Anfang an die Belohnung mit Leckerli nach der freundlichen!!! Aufforderung, eine Aufgabe zu erfüllen. Jede Art von Zwang oder Unterdrückung sollte unbedingt vermieden werden.

Als dann vor einigen Jahren das „Clickertraining“ erst in der Hundeerziehung und später auch in der Pferdeausbildung seinen Einzug fand, hat mich dieses Thema natürlich auch sofort interessiert. Leider informierte ich mich aber bei Leuten, die dieses Training mit „Halbwissen“ bewaffnet und dadurch falsch ausführten, was mich doch sehr abschreckte, da die Pferde außer einigen einfachen Kunststückchen wie beispielsweise Ball spielen nur unangenehmes Betteln und „Leckerli fordern“ lernten und sogar frech bis aggressiv wurden.
Ich lehnte daraufhin diese Ausbildungsmethode ab, wie viele andere auch, die gleiche Erfahrungen gemacht hatten. Zum Glück blieb es aber nicht dabei, da ich auch andere Leute kennen lernte, die „richtiges“ Clickertraining praktizieren. Heute weiß ich, dass alle diese unerwünschten Effekte nur dadurch entstanden sind, dass die ausführenden Menschen zu wenig Fachwissen und zu wenig Übung hatten.

„Du bekommst, was Du clickst.“ sagt Viviane Theby, (Buchautorin und Tierärztin mit Zusatzausbildung Verhaltenstherapie) und dieser Satz enthält mehr Fachwissen als so einige Bücher, die mittlerweile zu dieser Ausbildungsmethode auf dem Markt sind.

In der vergangenen Woche nahm ich an einem ersten Seminar bei Viviane Theby teil, bei dem Hühner mittels des Clickers über die positive Bestärkung trainiert werden. In dieser Woche hatten wir auch das große Glück, Bob Bailey und Parvene Farhoody, Pioniere und Experten der Ausbildung über positive Bestärkung aus den USA, kennen zu lernen, die während der Woche anwesend waren und uns einen wertvollen Einblick in ihren großen Erfahrungsschatz gaben.





Bild links: 
Dieses Huhn lernt verschiedene Formen sicher zu unterscheiden.








Bild links:
Nach nur 6 Trainingseinheiten je 1 Minute unterscheidet diese Huhn sicher vier verschiedene Farben.








Bild links:
Erinnerungsfoto mit Parvene Farhoody ( ganz links),
Bob Bailey (2. von rechts) und Viviane Theby (ganz rechts)
Vielen Dank für eine tolle Seminarwoche!




Der wichtigste Unterschied zum „normalen“ Trainieren mit unseren Haustieren, ist der, dass Gefühle völlig fehl am Platz sind.
Man trainiert ein Huhn, das man persönlich nicht kennt und dem Huhn ist es vollständig egal, ob der Mensch es mag oder nicht. Für das Huhn ist nur interessant, dass es sich ein Korn verdienen kann, wenn es die richtige Idee für eine Aktivität hat.
Der Mensch muss die Ausbildungsschritte für das Huhn penibel genau planen, damit das Huhn die richtigen Ideen hat und die Aufgabe erfüllen kann.

Der Mensch als Trainer muss sich zurück halten und keine Bewegungen machen, die das Huhn irritieren könnten und er muss sehr konzentriert beobachten um in den richtigen Momenten das gewünschte Verhalten zu belohnen, was sehr schwierig ist, da Hühner extrem schnell agieren und das Signal „Click“ also das Signal für „Ja, das ist richtig“ auf Zehntel Sekunden genau erfolgen muss.
Stimmt alles, lernen Hühner tatsächlich, komplizierte Aufgaben innerhalb von wenigen Trainingsminuten zu lösen, werden aber auch frustriert und aggressiv wenn das Timing beim Clicken nicht stimmt.

Wir Pferdeleute denken immer gerne, wir sind „Führer“ des Pferdes, beim Clickertraining mit Hühnern lernt man, dass man eher der Assistent und Partner eines intelligenten Tieres ist, das sich selber in Eigeninitiative die Aufgabe erarbeitet.

Mit der intelligenten Technik des Clickertrainings können alle Tiere ausgebildet werden, Delfine, Wale, Vögel, Wildtiere, Zootiere, Haustiere.... alle reagieren und agieren gleich, man muss sich mit den einzelnen Tierarten nicht auskennen.
Es ist also Quatsch, wenn wir Reiter uns einbilden, nur als „Pferdemenschen“, die die Psyche und das Verhalten des Pferdes kennen und sich besonders gut „einfühlen“ können, auch gut auszubilden, im Gegenteil, durch diese Erfahrung mit den Hühnern bin ich eher der Meinung, dass wir es unseren Haustieren viel schwerer machen zu lernen, da wir viel zu egoistisch unsere eigene Gefühlswelt einbringen und die Intelligenz der Tiere dabei maßlos unterschätzen.

Um ein Tier gut auszubilden, braucht man ein klares Prinzip, muss sein Verhalten jederzeit sicher kontrollieren und man braucht einen starken Charakter, um diszipliniert und nicht Gefühls-abhängig zu agieren.

Diese neue Erfahrung, einmal mit ganz anderen Tieren zu trainieren, war sehr aufschlussreich für mich und wird meinen Pferden sehr nützlich sein.
Ich freue mich schon auf die nächsten Seminare auf dem Scheuerhof und empfehle jedem Pferde- oder Hundeausbilder die Teilnahme an den Clickermodulen mit Hühnern bei Viviane Theby. Kontakt: www.tierakademie.de

In 2014 werde ich im Rahmen des PHYSIO-RIDING und der AFT interaktiv Gbr meine neuen Erfahrungen zum Thema „Trainingstechnik Positive Bestärkung“ weiter geben.
Wer Interesse an Vorträgen oder entsprechenden Workshops hat, melde sich bitte per Email.


Empfehlenswerte Literatur:
Vivane Theby, Katja Frey, Nina Steigerwald „Clickerfitte Pferde“ Verlag Müller-Rüschlikon
Karen Pryor „Positiv bestärken, sanft erziehen“ Verlag Kosmos
Karen Pryor „Die Seele der Tiere erreichen“ Verlag Kosmos






Mittwoch, 28. August 2013

Folgenschwere Reiterirrtümer


„Mein Pferd biegt sich nicht, da ist ein Gelenk ausgerenkt“
Falsch. 
Wenn bei einem Pferd ein Gelenk ausgerenkt ist, wird der Reiter nicht darauf sitzen können sondern das Pferd töten lassen, da es nicht mehr stehen kann.
Wenn ein Pferd sich nicht biegt liegt das in der Regel daran, dass der Reiter es behindert.

„Mein Pferd hat Verkalkungen“
Falsch.
Es gibt Kalkablagerungen in Gewebe und es gibt Knochenzubildungen, die man auch als Überbeine bezeichnen kann.
Verkalkt wirken lediglich einige Reiter, die nicht nachdenken bevor sie auf dem Pferd handeln.

„Mein Pferd wölbt den Rücken, wenn es den Kopf nach unten streckt“
Falsch. 
Wenn sich die Halswirbelsäule senkt, wird die Brustwirbelsäule aufgewölbt.
Die Lendenwirbelsäule wird aufgewölbt, wenn das Pferd das Becken kippt.
Wenn das Pferd den ganzen Rücken aufwölbt ist das ein Bocksprung, bei dem der Reiter einen Abgang macht. Beim Dressurreiten ist das Aufwölben der Lendenwirbelsäule wichtig, um das Pferd unter dem Reiter gesund zu erhalten.

„Ich gebe während des Reitens Hilfen.“
Falsch. 
Eine Hilfe gebe ich jemanden, wenn ich ihn dabei unterstütze etwas zu tun, was derjenige gerne möchte. Ich helfe zum Beispiel einem alten Menschen die Treppe hinauf. Oder ich helfe jemanden, etwas schweres zu tragen.
Auf dem Pferd wirke ich mit meinem Körper um das Pferd dazu zu bringen, das zu tun, was ich möchte. Das ist keine Hilfe sondern Manipulation.

„Ich benutze Hilfeszügel“
Falsch. 
Alle sogenannten Hilfszügel sind Zwangszügel, denn sie zwingen das Pferd in eine Körperhaltung.


„Ein Knotenhalfter ist harmlos“
Falsch. 
Ein Knotenhalfter wirkt schärfer als eine normale Trense im Maul des Pferdes. Wer das nicht glaubt, möge bitte einmal ein Knotenhalfter über seine Hand legen (Bild unten), etwas(!) Druck ausüben und dann die Hand hin und her bewegen (Pfeil). Vorsicht, der Druckschmerz dauert nach diesem Versuch noch mindestens 30 Minuten an, die Nerven können bis in den Unterarm hinein über Stunden gereizt sein.

„Der Reiter muss die Beine immer unbeweglich halten.“
Falsch. 
Wenn der Reiter seinen Körper auf dem Pferd drehen will, um Biegungen oder Seitengänge zu reiten, müssen alle Querlinien zwischen den Gelenken immer gerade bleiben. Das geht nur, wenn die Beine sich in die Biegung mit bewegen. Presst der Reiter die Beine an und bewegt sie nicht, muss der Körper aus dem Gleichgewicht kommen. 
Das demonstrieren diese Darstellungen aus unserem Onlinekurs „Besser reiten mit Tai Chi und Qigong“:



Bild 1 – der Reiter ist im Gleichgewicht, alle Linien sind gerade
Bild 2 – Körperdrehung, die Linien von Schultern, Hüfte und Händen bleiben gerade, die Linie der Knie nicht.
Bild 3 – Der Reiter bewegt die Beine nicht, die Körperdrehung ist nur möglich, wenn die Schultern sich aus der Geraden heraus bewegen.


Aus- und Fortbildungsangebot für engagierte Reiter und Ausbilder im Pferdesport:

Ausbildung zum PHYSIO-RIDING® Coach
Die Ausbildung des Reitlehrers hat sich in den letzten 100 Jahren den modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen über die physiologischen Vorgänge im Körper zu wenig angepasst. Der PHYSIO-RIDING® Coach ist ein innovativer Reitlehrer, der über diese Kenntnisse verfügt. Basisausbildung als Fortbildung per Fernkurs möglich.Vom Bzt e.V. zertifizierte, patentrechtlich geschützte Berufsbezeichnung.
Bitte besuchen Sie www.physio-riding.de

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Umfassende Informationen finden Sie unter www.reiterfitness.de




Freitag, 2. August 2013

Die Schulter des Pferdes – was jeder Reiter wissen sollte

Die Hintergliedmaße ist über Gelenke, also knöcherne Verbindungen, sehr stabil im Becken verankert. Nur weil das so ist, kann das Pferd sein gesamtes Körpergewicht über das Becken nach vorne stemmen.

Die Vordergliedmaße soll nicht Körpergewicht nach vorne transportieren sondern das Körpergewicht auffangen, das die Hintergliedmaße nach vorne gestemmt hat.

Wenn ein Vorderbein nun 500 kg Körpergewicht auffangen soll, was mit mehr oder weniger Schwung vom Hinterbein nach vorne geworfen wurde, ist es für die Gesundheit der Gelenke der Vordergliedmaße unerlässlich, das dieses Körpergewicht weich schwingend und elastisch aufgefangen werden kann.

Das Schulterblatt (als oberes Ende der Vordergliedmaße) ist deshalb ausschließlich mittels Muskelmasse am Brustkorb „angeklebt“.

Jeder Mensch kann es an sich selber ausprobieren. Wenn man laufen will muss man jedes Bein weich und elastisch landen und den Fuß gut abrollen lassen, damit die Bewegung angenehm ist. Tritt man bei jedem Schritt laut und hart auf, entstehen Schmerzen bis in die Hüfte und Lendenwirbelsäule hinein.

Genauso kann man es sich beim Pferd vorstellen, wenn die Muskeln im Schulterbereich nicht mehr weich und elastisch sondern verkrampft oder verspannt sind. Das Auftreten wird hart und schmerzhaft.

Die Podotrochlose, die chronische Entzündung der Hufrolle, ist eine der häufigsten Krankheiten, die Pferde unreitbar machen – und sehr viele Pferde sind bereits im jugendlichen Alter betroffen.

Bereits zu Beginn meiner beruflichen Tätigkeit als Tierphysiotherapeutin vor 14 Jahren war ich erschrocken, wie viele Pferde unter massiven Verspannungen der Muskeln im Schulterbereich leiden und bei den entsprechenden Gangbildanalysen vor und nach der Tierphysiotherapie wurde sehr deutlich, wie extrem das Gangbild durch die Probleme in der Schulter verschlechtert wird.

Ich bin deshalb der Überzeugung, das Verspannungen in der Schultermuskulatur in direktem Zusammenhang zur Chronischen Hufrollenentzündung stehen.

Die Entstehung von Problemen hängt in der Regel mit diesen drei Faktoren zusammen:

  • Das Pferd hat sich unter dem Reiter abgewöhnt, mit der Hinterhand zu stemmen, die Vorhand muss das Gewicht nicht auffangen sondern nach vorne ziehen. Die Muskeln der Schulter sind überfordert und verspannen.
  • Der Reiter sitzt nicht weich genug oder der Sattel passt nicht (ersteres kommt definitiv häufiger vor), das Pferd bekommt während des Reitens Schmerzen in der Sattellage und spannt wichtige Muskeln im Schulterbereich an um sich zu schützen, wodurch Verspannungen entstehen.
  • Das Pferd hat Angst vor dem Reiter, der ihm ja buchstäblich „im Nacken“ sitzt. Es spannt aus seinem Fluchtinstinkt heraus die relevanten Muskeln im Schulterbereich an.

Der wichtigste Aspekt aber ist dieser:
Muskeln werden nur gesund ernährt, wenn sie während der Bewegung zwischen den Zuständen Anspannung – Entspannung – Dehnung im regelmäßigen Rhythmus wechseln. Im Ruhezustand werden die Muskeln ernährt weil sie entspannen.
Wenn ein Muskel über mehreren Minuten kontinuierlich anspannt, kommt zu wenig Blut mit frischen Nährstoffen in den Muskelbauch und Muskelzellen verkrampfen.
Wenn ein Pferd durch Zwangszügel, harte Handeinwirkung oder durch zu langes Reiten in Versammlung dazu gezwungen ist, die Halshaltung konstant beizubehalten, ist die Entstehung von Muskelproblemen im Schulterbereich vorprogrammiert.
Der Reiter kann das Pferd korrekt reiten und perfekt sitzen und des doch krank machen wenn er während der Trainingsphase zu wenig Pausen am hingegebenen Zügel macht, damit die Oberhals- und Schultermuskulatur entspannen und gedehnt werden kann.

Meine Empfehlung als Tierphysiotheraeputin: 
Beim jungen Pferd nie länger als 5 Minuten die konstante Halshaltung verlangen, beim erwachsenen gut bemuskelten Pferd nie länger als 10 Minuten die konstante Halshaltung verlangen.

Jeder Reiter, der diese Empfehlung von mir angenommen hat, war überrascht, wie viel leichtrittiger und williger sein Pferd bereits nach wenigen Tagen der Umstellung wurde.

Zeichen für gefährliche Muskelverspannungen im Schulterbereich können sein:
  • alle Arten von Anlehnungsproblemen
  • lautes Auffussen auf weichem Boden (Gras, Reithalle)
  • wenig Biegungsfähigkeit
  • wenig Bewegungsfreude
  • harte, stoßende - für den Reiter unangenehme- Rückenbewegungen im Trab
Für weitere Informationen besuchen Sie bitte www.physio-riding.de
Hier finden Sie auch Adressen von lizensierten PHYSIO-RIDING Coaches, die Ihnen zeigen können, wie Sie selber regelmäßig ihr Pferd massieren können, um Muskelverspannungen und Gelenkerkrankungen vorzubeugen.

Sollte Ihr Pferd bereits unter Problemen in der Hufrolle leiden, empfehle ich Ihnen, einen Tierphysiotherapeuten zu rufen. Suchen Sie sich einen qualifizierten Therapeuten, der nicht nur massiert oder Wirbelblockaden löst sondern auch über umfassende Kenntnisse aller physikalischen Therapieformen zur optimalen Behandlung der Vordergliedmaßen verfügt. In enger Zusammenarbeit mit dem behandelnden Tierarzt  kann für Schmerzfreiheit gesorgt und die Lebensfreude ihres Pferdes erhalten werden.



Viele wertvolle Informationen für Reiter bieten unser Buch und unsere DVD:

Buch "PHYSIO-RIDING mit Sabine Bruns"
Verlag Müller-Rüschlikon

Lehrfilm DVD "Fühl doch mal"
beides können sie bestellen bei: Verlag www.pferdia.de


Aus- und Fortbildungsangebot für engagierte Reiter und Ausbilder im Pferdesport:

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Donnerstag, 27. Juni 2013

Reiten ohne Gebiss – Bitte Unterschiede beachten!

Immer wieder begegnen mir als Tierphysiotherapeutin Pferde, die durch das Reiten ohne Gebiss gesundheitliche Probleme bekommen haben.

Der Grund liegt vor allem darin, dass viele Reiter der Meinung sind, dass alles was am Pferdekopf befestigt werden kann und nicht im Maul des Pferdes liegt grundsätzlich gut ist.
Das ist nicht richtig.

Wer mit einer gebisslosen Zäumung reitet, die dem Pferd Schmerzen auf dem Nasenrücken oder durch Hebelwirkung im Genick zufügt, animiert das Pferd während des Reitens, den Kopf zu senken und damit mehr Gewicht auf der Vorhand zu tragen, als gesund ist. 
Oft neigen solche Pferde dazu, Muskeln im Genick, Hals und Schulter konstant anzuspannen, da die Erwartung von Schmerzen im Gesicht zu einer instinktiven Abwehrhaltung animiert. Dieses Verhalten führt zu Muskelverspannungen wodurch die Gliedmaßenbewegungen ihren elastischen Charakter verlieren und Gelenke und Sehnen geschädigt werden können.
Viele Pferde verspannen die Rückenmuskeln weil einerseits durch die Einwirkung auf Genick und/oder Nasenrücken das Senken des Halses erzwungen wird und andererseits der Reiter steif im Sattel sitzt und Rückenschmerzen verursacht, auf die das Pferd nur durch Anspannung reagieren kann.
Passivität des Pferdes, die häufig als Zufriedenheit gedeutet wird, bedeutet nicht selten, dass das Pferd Hals und Kopf möglichst wenig bewegt, um der Einwirkung auf dem Nasenrücken zu entgehen.

Gesundes gebissloses Reiten geht nur mit einer Ausrüstung, die keine Schmerzen verursacht.

Dieses sind Halsringe und Zäumungen aus weichem anschmiegsamen Leder, Biotane oder gut sitzende weiche Halfter.

Jede Einwirkung mit einem harten Gegenstand auf dem Nasenrücken (Bosal) oder die Einwirkung über Hebelwirkung wie bei einem Hackamore wirkt unter Einbeziehung tierphysiotherapeutischer Aspekte schmerzhafter als die Einwirkung über ein normales gebrochenes Trensengebiss, bei dem sich das Pferd durch festes Zubeißen gegen harte Einwirkung wehren kann.

Wenn ein Pferd gebisslos geritten werden soll, muss eine Ausbildung hierfür stattfinden, in der das Pferd lernt, die Signale einer weichen!!! gebisslosen Ausrüstung wahr zu nehmen und zu verstehen. 
Das geht beispielsweise sehr gut mit dem Clickertraining.

Benutzt man eine gebisslose Ausrüstung, auf die das Pferd sofort sehr empfindlich reagiert, macht das dem Reiter vielleicht Spaß, es hat aber nichts mit harmonischer und Pferde - schonender Reitweise zu tun.

Anstatt sich ein gutes Gewissen durch die Wahl der Ausrüstung vorzugaukeln sollte man als Reiter lieber ehrlich darüber nachdenken, wie man wirklich zu seinem Pferd steht.






Aus- und Fortbildungsangebot für engagierte Reiter und Ausbilder im Pferdesport:

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Sonntag, 16. Juni 2013

Therapie oder Reparatur?

Es gibt inzwischen in Deutschland eine große Anzahl von Dienstleistern im Bereich Tiergesundheit und Tierausbildung.

Tierphysiotherapeuten, Tierheilpraktiker, Tierosteopathen oder doch lieber der Knochenbrecher?
Hufschmiede, Hufheilpraktiker oder doch lieber Huforthopäden?
Tierkommunikation oder Pferde – flüstern oder doch mal das Clickern probieren?
Was ist mit Horsemanship und Psycho-flüstern? – oder doch lieber die Pferde klassisch gefügig machen?
Lieber mit dem Gebiss Druck auf den empfindlichen Kiefer oder ohne Gebiss Druck auf den empfindlichen Nasenrücken oder im Roundpen Druck auf die Seele? 
Das „Knoti“ oder der „Schlaufi“ – vielleicht geht es ja auch darum wie es sich anhört wenn man darüber spricht?

Aus der Forschung und Wissenschaft im Humanbereich wissen wir etwas, was wir alle selber täglich spüren und fühlen: Der Mensch ist nur gesund, glücklich, lernbegierig und hat Lust auf Leistung, wenn es ihm gut geht. Und gut geht es ihm, wenn der Körper gesund ist und der Mensch sich wohl fühlt.

Wohl fühlt man sich, wenn man in einem Freundes- oder Familienkreis lebt, in dem sich sich sicher und geborgen fühlt. Wohl fühlt man sich, wenn man gelobt und ermutigt wird. Wohl fühlt man sich, wenn man Erfolgserlebnisse hat. Wohl fühlt man sich, wenn man vor seinen Mitmenschen keine Angst hat sondern sich von ihnen beschützt fühlt. Wohl fühlt man sich nicht wenn man bedroht wird und sich unterordnen soll und Angst vor Fehlern haben muss, wohl fühlt man sich, wenn man sich unterstützt fühlt.

Und wer seinem eigenen Gefühl nicht traut, kann die Wissenschaft fragen und sich bestätigen lassen: Unser Fühlen beeinflusst über das Hormonsystem die Gesundheit unseres Körpers und unser Denken beeinflusst unser Gefühl. Genauso beeinflusst der Zustand unseres physischen Körpers unser Denken und unser Fühlen.

Denken, fühlen und gesund sein gehören untrennbar zusammen.

So kann jede Therapie nur erfolgreich sein, wenn gleichzeitig das Denken und das Fühlen des Individuums positiv beeinflusst wird. Das gilt für Tier und Mensch gleichermaßen.

Auf einer großen Pferdemesse sah ich einmal einen Vortrag einer Therapeutin und Ausbilderin zur Gesundheit des Rückens des Pferdes und der Sattelanpassung. Ein Pferd stand dafür vor den Zuschauern und die Therapeutin erklärte mit Hilfe von diversem Anschauungsmaterial die Muskeln und Knochen der Wirbelsäule.
Die Hilfsperson, die das Pferd hielt, hatte während dieses Vortrages auf der von den Zuschauern abgewandten Pferdeseite die Hautfalte an der Schulter des Pferdes fest gepackt und verdreht, damit das Pferd  für die gesamte Dauer des Vortrages unbeweglich stehen blieb.

Dieses Bild habe ich nie vergessen denn es zeigte mir das, was ich niemals tun wollte: das Pferd als funktionierenden Körper zu verstehen.

Jede Therapie und Ausbildung des Tieres kann nur gesund sein, wenn das Tier sich dabei wohl und geborgen fühlt.

Und um zu beurteilen, ob das Tier sich wohl fühlt, ist es unsere Aufgabe als Therapeuten, Ausbilder und Tierbesitzer die Scheuklappen abzunehmen, die Augen zu öffnen und den ehrlichen Blick darauf zu wagen, ob sich das Tier wirklich wohl fühlt bei dem was wir mit ihm tun.

Ein Pferd kann den Kopf senken, weil es sich entspannt.
Ein Pferd kann den Kopf senken, weil es resigniert.
Ein Pferd kann den Kopf senken weil es weiß, dass es Schmerzen durch Ausrüstungsgegenstände erleidet, wenn es den Kopf hebt.
Ein Pferd kann den Kopf senken, weil es Schmerzen hat.

Bei jeder Methode zur Ausbildung oder Therapie eines Pferdes versuche ich so objektiv wie möglich, mich in das Pferd hinein zu versetzen und denke darüber nach, wie ich es empfinden würde, wenn man das mit mir macht:
Fühlt sich mein Tier jetzt ermutigt oder eher bedroht?
Fühlt sich mein Tier jetzt unterdrückt oder eher unterstützt?
Fühlt sich mein Tier jetzt sicher geborgen oder untergeordnet?
Hat mein Tier jetzt Angst etwas falsch zu machen oder hat es Lust das richtige auszuprobieren?
Hat mein Tier jetzt eigentlich wirklich die Wahl? Würde ich auch ein "nein" akzeptieren?

Bei der AFT interaktiv Gbr geht es in der Tierphysiotherapie und im Physio-Riding immer um das Tier als Persönlichkeit und ganzheitliches Individuum.


Die Reparatur eines Körpers führt nicht zur Gesundheit.




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Ausbildung zum Tierphysiotherapeuten 
www.aft-interaktiv.de
www.deutsche-tierphysiotherapeuten.de


Donnerstag, 28. März 2013

Das Missverständnis „Natürliche Schiefe“


Immer wieder wird in der Ausbildung des Pferdes der Begriff „Schiefe“ verwendet.
Das ist sehr irreführend. Reiter glauben, dass sie die vermeintlich kürzere Seite ihres Pferdes massiv dehnen müssen um das Pferd gerade zu richten. Das ist nicht richtig.

Die natürliche Schiefe beim Pferd entspricht der Links- oder Rechtshändigkeit des Menschen. Es gibt meines Wissens bisher keine weiteren wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse zu diesem Thema.
Viele Wissenschaftler äußerten Vermutungen über unterschiedlich ausgebildete einzelne Muskelgruppen, doch es gibt keine tiermedizinisch begründeten Fachartikel oder Veröffentlichungen, in denen zweifelsfrei festgestellt wurde, dass die Muskeln des jungen Pferdes unterschiedlich ausgebildet sind, verschieden lang sind oder das der Körper des Pferdes eine schiefe Form aufweist. - alles Aussagen, die immer wieder gemacht werden.

Wenn wir junge Pferde ausbilden, müssen wir Ihnen beibringen, die rechte und die linke Körperseite gleichmäßig zu koordinieren genauso wie ein Reiter lernen muss, seine rechte und linke Körperseite gleichmäßig zu koordinieren.

Viele vermeintlich schiefe Pferde wurden von Ihren Reitern in ein Ungleichgewicht geritten, weil der Reiter selber seine rechte und linke Körperseite nicht gleichmäßig koordiniert sondern einseitig stärker auf das Pferd einwirkt.

Freie unbeeinflusste Pferde möchten sich im Trab so fortbewegen, wie es auch andere Vierbeiner, beispielsweise Hunde gerne tun, Sie treten mit dem Hinterbein schräg unter ihren Körper um das Körpergewicht mit besserer Hebelwirkung nach vorne stemmen zu können und bewegen sich hierdurch gerne schräg vorwärts statt schnurgerade.
(Bei langbeinigen Hunden kann man diesen "schnürenden" Gang im Trab sehr schön beobachten.)
Ein junges Pferd möchte das auch tun, wenn es einen Reiter trägt, das fühlt sich für den Reiter so an, als ob das Pferd schief wäre.

Es ist dann grundlegend falsch, einfach „gegen zu steuern“ und die vermeintlich „schlechte“ Seite ausgiebiger zu biegen und zu dehnen als die „bessere“. Das Pferd wird sich abwehrend anspannen, weil ihm die Koordination der „schlechteren“ Seite ja schwerer fällt.

Richtig ist es, das Pferd in langsamen Tempo (Schritt) rechts und links herum gleichmäßig zu trainieren und hierfür gerne Hilfsmittel wie Pylone oder Stangen zu nutzen. Im Schritt kann sich das Pferd am ehesten eine beidseitig gleichmäßige Koordination angewöhnen. 

Am einfachsten ist es für das Pferd wenn es die Koordination erst mal während der Bodenarbeit üben kann. Seitengänge sehr langsam und mit häufigem Richtungswechsel und Lektionen wie beispielsweise der Spanische Schritt  und Isometrische Übungen sind die wichtigsten Übungen.

Auch wir Menschen können durch langsame und bewusste Bewegungen am besten von der Links – bzw. Rechtshändigkeit zu einer soliden „Beidhändigkeit“ umlernen. 

Jeder Reiter sollte als erstes sich selbst kontrollieren um sicher zu sein, mit beiden Körperhälften gleich auf das Pferd einzuwirken bevor daran gedacht wird, das Pferd "korrigieren" zu müssen.

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Mittwoch, 23. Januar 2013

Meine ganz persönlichen Erfahrungen


Meine ganz persönlichen Erfahrungen zu den Themen Dominanz contra Freiwilligkeit
während der Ausbildung von Pferden



Da es auf diversen Facebook – Seiten zu meinem letzten Blogeintrag zum Thema "Rangordnung und Dominanz" viele Diskussionen gab, möchte ich hier mal meine eigenen Erfahrungen der letzten Jahre schildern.

Ich habe vor 37 Jahren zum ersten Mal auf einem Pferd gesessen und nach 2 Jahren Reiten lernen auf Schulpferden das erste junge Pferd eingeritten,es folgten bis heute sehr viele incl. aller meiner eigenen Pferde.

Als Monty Roberts das erste Mal in Deutschland war und sein Join up vorstellte, habe ich diese Methode innerhalb einer kleinen Veranstaltung in Bremen kennen gelernt. Sie wurde uns vorgestellt als eine Möglichkeit, die Arbeit mit einem jungen, wilden Pferd zu beginnen, keinesfalls um mit dem Pferd auf Dauer ständig so umzugehen. Ich war begeistert und nutzte das Join up gerne genau zu diesem Zweck: die erste Begegnung mit einem rohen misstrauischen Pferd harmonisch zu gestalten. NICHT mehr!
(Das was heute unter „Join up“ alles stattfindet hat mit dem was wir damals kennen gelernt haben, nichts zu tun sondern ist teilweise echter Psychoterror für das Pferd.)

Im Rahmen der Entwicklung des PHYSIO-RIDING beschäftigte mich über viele Jahre immer wieder ein Konflikt:
Einerseits hatten mich meine Studien gelehrt, dass die Ausbildung des Pferdes so gestaltet werden muss, das kein psychischer Druck oder gar direkte Angst vor Strafe und Schmerz entsteht, denn diese Gefühle beeinflussen das Hormonsystem, was zu den verschiedensten Krankheiten,  Muskelverspannungen und schließlich zu Gelenkerkrankungen führt.Und ein ganz wichtiger Aspekt: Sie verhindern, dass das Pferd denkt. Wenn ein Pferd Angst hat, setzt das Denken aus und nur noch Instinkte zwingen zum handeln.  
Andererseits vertrat ich aber auch die Meinung, dass ein gewisses Maß an Gehorsam unbedingt vorhanden sein muss, da es sonst in kritischen Situationen für Pferd und Mensch gefährlich werden könnte.

Ich verstehe deshalb die unterschiedlichen Auffassungen von Erziehung mit / ohne „Dominanz“ sehr gut, denn die gleiche Diskussion führte ich oft mit mir selber.

In den letzten Jahren habe ich mich dann aber sehr ausgiebig auch mit dem Mentaltraining auseinander gesetzt und dabei viel darüber nachgedacht, warum ich eigentlich wirklich Gehorsam von meinem Pferd verlange.

Was ist eigentlich eine kritische Situation?
Eine Situation die ich als kritisch einschätze ist eine Situation die mir Angst macht. Und vom Pferd erwarte ich ausgerechnet in den Situationen, die mir Angst machen, dass es mir gehorcht.....

Warum empfinde ich eine Situation als kritisch?
Weil andere Menschen sehen, dass ich mein Pferd nicht unter Kontrolle habe? Weil ich Autofahrer auf der Straße störe? Weil ich Angst um meinen eigenen Körper habe?
Ist es nicht eigentlivch so, dass die Situation nur kritisch wird, weil das Pferd unter Stress  aufhört zu denken, nur noch instinktiv handelt und deshalb unkontrollierbar wird!

Ich habe mir dann überlegt, dass eine Situation, die ich als kritisch empfinde, für das Pferd erst recht angsterregend sein muss und anstatt ihm dann Gehorsam abzuverlangen, sollte ich ihm doch lieber das Gefühl geben, das es von mir beschützt wird und sich bei mir sicher fühlen kann, dann wird er auch weiter denken und es entsteht nicht dieser Teufelskreis aus Stress, "Nicht mehr denken können"Unkontrollierbarkeit.

Hieraus ist unser PHYSIO-RIDING Anti-Scheutraining entstanden, dessen Grundhaltung ist:
“Beschütze Dein Pferd"


Bild: Der Mensch bedeutet dem Auto durch Handzeichen,Abstand zu halten und das Tempo zu verringern. 
Das Pferd kann sich sicher fühlen. Ein freundliches "Danke schön" an den Autofahrer sollte dabei selbstverständlich sein. (In unserem Buch "PHYSIO-RIDING mit Sabine Bruns" ist diese Methode näher beschrieben)


Zum Thema Clickertraining:
Lange Zeit habe ich das Clickertraining als nettes Spiel und schöne Beschäftigung für das Tier eingeordnet.
Um aber wirklich zu verstehen, was Clickertraining ist, muss man sich mit Verhaltensbiologie und dem Lernverhalten des Pferdes beschäftigen und dann wird schnell klar, dass es viel mehr ist, als eine Methode, dem Pferd das Ball spielen beizubringen.

Bereits nach einigen einfachen Clicker-Übungen habe ich sehr wichtigen Erfahrungen gemacht:  

Das Clickertraining öffnet eine Tür. Das Pferd lernt, dass es mit mir als Mensch intelligent kommunizieren kann und das meine Worte, Zeichen und Körpersprache  Bedeutungen haben und dass ich auch seine Zeichen und seine Körpersprache verstehe und wichtig finde. 

Das heißt, wenn ich mit einem Pferd Clickertraining übe, verändert sich auch unser gesamtes Miteinander wenn kein Clicker und kein Leckerli dabei ist.

Die Pferde kennen zuverlässig ihren Namen – viel besser als früher.
Wir haben dem Wort "Höflich" mit dem Clicker einen Sinn gegeben. Kein Pferd bettelt mehr um Leckerli.
Die Pferde lieben mich und achten mehr auf mich,denn sie wollen das ich Lust habe mit ihnen ein „Lernspiel“ zu spielen. Unser Zusammensein zeichnet sich durch sehr großen gegenseitigen Respekt aus.
Die Pferde haben Lust, sich anzustrengen und vor mir anzugeben, sie entwickeln erstaunliche Phantasie.

Seit dem ich in kritischen Situationen mein Pferd beschütze, werden wir beide immer ruhiger und selbstsicherer. Wenn mein Pferd Angst hat, sucht es meine Nähe und hört auf mein Kommando, weil es sicher weiß, dass es ihm damit gut geht.

Wenn ich heute meinem Pferd zu rufe „Halt! Hör auf!“ bleibt es sofort stehen und schaut mich an – nicht weil ich es dominiere, sondern weil es weiß, dass es sich damit in Sicherheit bringt.

Auch habe ich den Eindruck, dass die Pferde innerhalb der Gruppe ein immer harmonischeres Miteinander entwickeln. Mir stellt sich durch diese Beobachtungen bereits die höchst interessante Frage: Kann man Pferden soziales Verhalten beibringen?

Fazit:
Je mehr Freiwilligkeit ich dem Pferd zugestehe, desto mehr sucht es meine Nähe und will auf mich hören.

Für mich ist diese Erfahrung ein weiterer großer Schritt in meiner reiterlichen Entwicklung und es macht unglaublichen Spaß ihn weiter zu gehen und weiter zu entwickeln. Ich bin sehr froh, dass ich auch nach vielen, vielen Jahren im Umgang mit dem Pferd nie aufgehört habe, für neue Wege aufgeschlossen zu sein.


Mittwoch, 16. Januar 2013

Rangordnungskämpfe in der Pferdeherde



Wenn ich als PHYSIO-RIDING Coach und Tierphysiotherapeutin Reiter und Ihre Pferde besuche, ergeben sich oft Fragen zu den verschiedenen Ausbildungsmethoden.
Die Begriffe "Dominanz" und "Rangordnung" fallen dabei immer wieder, deshalb möchte ich hier einmal  einige Denkanstöße zu diesen Begriffen weiter geben.



Bei vielen Ausbildungsmethoden wird angegeben, dass die Lehrinhalte sich auf die natürliche Rangordnung und die damit verbundenen Rangordnungskämpfe innerhalb einer Pferdeherde beziehen.

Viele Reiter, deren Pferde in einem Offenstall leben finden es völlig normal, dass es täglich zu den Mahlzeiten zu Rangordnungskämpfen rund um die Heuraufe kommt und die schwächeren Mitglieder der Herde dann eben hinten an stehen und warten müssen, bis die „Bosse“ sie auch fressen lassen.

Wenn man Pferde vom Menschen unbeeinflusst – beispielsweise auf der grünen Wiese - beobachtet, sieht man höchst selten einen Rangordnungskampf, vielleicht mal ein „Geplenkel“, aber selten ernsthafte Auseinandersetzungen.
Richtig ernst wird es eigentlich nur, wenn 2 Hengste sich um rossige Stuten prügeln.

Wir alle sollten uns  bewusst machen, dass...

1.
...Rangordnungskämpfe um Futter nur in den vom Menschen vorgegebenen engen Räumen stattfinden.
Leben viele Pferde auf engem Raum und wird dann begrenzte Menge Futter gegeben, gibt es Streit in der Herde. Das ist NICHT natürlich. Auf der großen Weide oder dem natürlichen Lebensraum der Pferde, der Steppe,  ist so viel Futter so weit verteilt, dass es keinen Streit gibt.

Ich habe für meine 5 Pferde 18 kleine verteilte Futterplätze im Offenstall und Paddock und es gibt während der Fütterung vielleicht mal die drohende Mimik "bleib weg"  zu beobachten, ansonsten aber keinerlei Unruhe oder Streit. 

Pferde, die täglich Rangordnungskämpfe zu den Mahlzeiten ausfechten müssen, haben täglichen unnatürlichen Stress.

2.
…..ein ranghohes Tier in der Herde ist deshalb ranghoch weil es so selbstbewußt ist, das zu tun, was es für richtig befindet, ohne darauf zu achten, was die anderen wohl machen.
Rangniedrige Tiere folgen den ranghohen Tieren, weil sie weniger selbstbewußt sind und sich nicht trauen, selber zu entscheiden, was sie tun wollen, sie laufen deshalb den anderen hinterher.

Wichtig ist: Sie laufen dem ranghohen Tier absolut freiwillig hinterher!

3.
…. es gibt kein ranghohes Tier, dass von einem rangniedrigen Tier irgendwelche Dienste verlangt. Jedes rangniedrige Tier kann einfach gehen, wenn es mit dem ranghohen Tier nichts zu tun haben will.

Wenn also ein Pferdeausbilder sagt, er ist ein „ranghohes Tier“ weil er ein anderes Pferd durch „im Kreis scheuchen“ zum rangniedrigen Tier gemacht hat und dieser Pferdeausbilder dann der Meinung ist, deshalb vom Pferd verlangen zu können, dass es ihm gehorcht, ist das vollkommener Blödsinn.

"Ranghoch" bin ich in einer Herde, wenn die anderen sich dazu entschließen mir zu folgen, weil ich den Eindruck mache, dass sich das lohnen könnte.

Die Ausbildung eines Pferdes hat mit einer Rangordnung in der Herde herzlich wenig zu tun.
Leute, die das behaupten, erkennen nicht, dass sie einfach nur Druck ausüben und das Pferd sich diesem unterwirft, weil es nicht weiß, was es sonst machen soll. (Oder was würden Sie machen, wenn sie jemand bewaffnet mit einer Peitsche oder einem Seil auf engem begrenzten Raum im Kreis herum scheucht?)

Ein Pferd kann ich ausbilden, in dem ich Druck ausübe und bei gewünschter Reaktion des Pferdes den Druck nachlasse bzw. bei unerwünschter Reaktion bestrafe. Dieser Druck kann physisch oder psychisch augeübt werden. So wird das Pferd gehorchen aber den Menschen nicht unbedingt als seinen Freund und schon gar nicht als ranghohes Tier betrachten.

Ein Pferd kann ich aber auch ausbilden, indem ich mit dem intelligenten Wesen Pferd intelligent kommuniziere und sich eine echte freundschaftliche Beziehung entwickelt. Darauf baut beispielsweise das Clickertraining auf.

Gefährlich wird es für den Menschen sehr oft, wenn er einerseits das Pferd "erzieht" und "ranghoch" sein will, andererseits aber auch die Freundschaft des Pferdes sucht. Dann wird das unterdrückte Pferd die "Schwäche" erkennen und sich gegen den Menschen wehren was dann häufig zu sehr gefährlichen und für den Menschen höchst frustrierenden Momenten führt.


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