Freitag, 3. November 2017

Anti-Scheu oder Spielerei?

Bin ich mit meinem Pferd unterwegs, begegnen mir immer wieder unbekannte Gegenstände oder ich gerate in neue Situationen, in denen mein Pferd Angst bekommen kann.

Um ein geländesicheres Pferd zu haben, werden mir deshalb Anti-Scheu-Workshops angeboten.

Wann ist ein solcher Workshop sinnvoll und wie muss er aufgebaut sein, damit er mir wirklich hilft?

Es nützt mir nichts, wenn mein Pferd in einem solchen Workshop mit unbekannten Gegenständen konfrontiert wird, diese dann in Ruhe beschnuppert und schließlich keine Angst mehr vor ihnen hat.
Warum nicht?

Weil ein Anti-Scheu-Workshop mir beibringen soll, wie ich genau diese eine Minute manage, in der mir und meinem Pferd etwas unbekanntes begegnet und mein Pferd Angst bekommt.

Haben wir im Anti-Scheu-Seminar einen roten Regenschirm kennengelernt, heißt das nicht, dass mein Pferd auf der Straße vor einem gelben Regenschirm nicht scheuen wird. Im Gegenteil, die Situation ist eine völlig andere, das Pferd wird sie nicht mit dem roten Regenschirm des Seminares in Verbindung bringen.

Ein Anti-Scheu-Workshop des PHYSIO-RIDING enthält folgende Elemente:

1. Schritt: Analyse
Was passiert bisher, wenn mein Pferd scheut?
Was geschieht in jeder Zehntel Sekunde der gefährlichen Situation?
Was denkt mein Pferd und wie agiert oder reagiert es?
Was denke ich, wie agiere oder reagiere ich?

2. Schritt: Planung
Wie sollte ich mich optimalerweise in jeder Zehntel-Sekunde einer gefährlichen Situation benehmen, um für  mein Pferd und mich Sicherheit zu gewährleisten?  Wie kann ich die Situation entschärfen, um uns nicht zu gefährden?  Ich muss das richtige Denken, die richtige Körpersprache, die richtigen Gesten und Worte  lernen, mit denen ich meinem Pferd Sicherheit vermittele.

3. Schritt: Umsetzung
Wie lerne ich, das richtige Verhalten  als Reflex in diesem Moment abzurufen?
Ich muss das Agieren in dieser einen wichtigen Sekunde mental und physisch trainieren, damit es jederzeit abrufbar ist.

Hiefür sind die Techniken des Mentaltrainings und einige Übungen aus der chinesischen Kampfkunst Tai Chi  bestens geeignet.

Das Trainingsmotto beim Physio-Riding Anti-Scheutraining ist:
Beschütze Dein Pferd, dann vertraut es dir, wenn es brenzlig wird. 


Auch in diesem Winter stehe ich gerne zur Verfügung, Anti-Angst-Seminare in Ihrem Stall / Ihrer Stallgemeinschaft durchzuführen. 
Möglich sind:  Theorieabende / Einzeltage / Mehrtägige Workshops


Kontakt:

Sabine Bruns
Email: bruns.projekte@gmail.com

www.physio-riding.de
www.reiterfitness.de













Mittwoch, 5. Juli 2017

Warum bilden wir unsere Pferde aus?


Ich bin es leid, mit Leuten über eine gute Pferdeausbildung zu diskutieren, 
die nie auf einem durchlässigen Pferd gesessen haben.

Ich bin müde, die Anatomie und Denkweise des Pferdes mit Menschen zu besprechen, 
die nicht lernen, sondern streiten wollen.

Reiter, was wollt Ihr?


Das Zusammensein mit Pferden ist seit fast 40 Jahren fester Bestandteil meines Lebens. Und wer mich und das Konzept Physio-Riding kennt, weiß, dass das Wohl des Pferdes an erster Stelle steht.

Ich kenne die „alte“ Art mit Pferden umzugehen (Ständerhaltung, kein Weidegang, Kategorischer Zwang und „Brechen“ des Pferdewillens) und beschäftige mich ausgiebig mit modernen Lehr-und Lernmethoden, wie beispielsweise dem Clickertraining (Lernen über positive Bestärkung) und lehne jede Art von Ausrüstung ab, die das Pferd in seinen Bewegungen behindert und einschränkt.

Dennoch zieht sich in meiner Brust etwas unwohl zusammen, wenn ich sehe, wie heute viele Pferdeliebhaber mit ihren Tieren umgehen, die jede Form von Gewalt, Zwang und Erziehung ablehnen.

Ich reite meine Pferde gerne mit Halsring – werde aber ganz sicher niemals mit Halsring im Gelände unterwegs sein. Ich bilde ohne Strafe nach den Grundsätzen positiver Bestärkung aus, auch die Lektion, dass ein Annehmen des Zügels „Anhalten“ bedeutet.

Meine Pferde nehmen gerne und freiwillig die Trense ins Maul, obwohl sie wissen, dass ich im „Case of emergency“ am Zügel ziehen oder fies „rucken“ würde ... Dies muss ich allerdings nur, wenn mein Pferd nicht „an den Hilfen“ steht und „durchlässig“ ist.

Viele Pferdeliebhaber empfinden diese Aussagen bereits als Teil der großen Tierquälerei des „Zwangreitens“, oftmals weil sie gar nicht wissen, was der Begriff Durchlässigkeit überhaupt aussagt.

Wenn ich meine eingezäunte Weide, meinen Reitplatz oder meine Reithalle verlasse, muss ich mein Pferd sicher leiten und anhalten können, sonst gefährde ich nicht nur mein Leben, sondern auch das meines Pferdes und fremder Menschen, sollte es zu einem schlimmen Unfall kommen.

Dressur eines Pferdes besagt, das Pferd so auszubilden, dass es zu einem zuverlässigen, kontrollierbaren Partner wird. (Turnierreiten schließe ich bei meinem Betrachtungen aus, da die Anforderungen im Leistungssport für das Tier inzwischen grundsätzlich fragwürdig geworden sind.)

Korrektes Dressurreiten mit dem Ausbildungsziel "Durchlässigkeit und Zuverlässigkeit" 
und 
Gewalt gegenüber dem Pferd
 schließen einander aus,
denn ein Pferd, das vor seinem Reiter Angst hat,  
wird nie zuverlässig bzw. durchlässig werden. 

Was Angst, Stress oder Qual bereitet, ist der Mensch, der nicht bereit ist:

-> seinen Körper fit genug für das Reiten zu machen
                    -> das notwendige Geld für qualifizierten Unterricht auszugeben
             -> sich zu wenig um fundiertes Theoriewissen zu bemühen.  


Montag, 29. Mai 2017

Was ist eine fundierte Quelle


Wenn man reiten lernen möchte, findet man eine Reihe von Angeboten.

Verschiedene Reitweisen

Verschiedene Reitlehren
Verschiedene Reitlehrer
       Verschiedene Glaubenssätze

Der Begriff "Reitlehrer" ist nicht geschützt.  Jeder, der sich berufen fühlt, andere zu unterrichten, darf sich so nennen.  Er muss nicht begründen, auf welches Wissen sein Unterricht basiert.

Viele Lehrer unterrichten aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen und Erfolge. Sie geben weiter, was sie selber tun. Das kann gut sein, muss aber nicht. Es kommt darauf an, wie plausibel und verständlich der Reitlehrer sein Wissen formuliert, damit der Schüler / die Schülerin es verstehen und umsetzen kann.

Viel Wissen wird aufgrund von Hörensagen weitergegeben. Quellen sind nicht bekannt oder werden ungenau angegeben. Es ist jedoch immens wichtig, sich die Quellen von Lehrsätzen oder Lehrmeinungen genau anzusehen, um entscheiden zu können, ob die Informationen der Verfasser auch für die eigenen Zwecke sinnvoll sind.

Alte Reitlehren wurden für Pferde und Reiter geschrieben, die entweder im Militär oder bei der Arbeit erfolgreich agieren sollten.  Wie wichtig dabei die Gesunderhaltung es Pferdes war, ist umstritten.

Fundiertes Wissen als Grundlage einer Reitlehre ist begründetes Wissen. 

Begründetes Wissen, um mit Pferd beim Militär zu überleben, findet sich bei alten Militärreitern.
Begründetes Wissen für möglichst effektives Arbeiten mit dem Pferd findet sich bei Reitern, die mit ihren Pferden gearbeitet haben.

Begründetes Wissen für gesundes Reiten 
entsteht durch Kenntnisse in der Anatomie, Physiologie und Psychologie (Verhaltensforschung), nicht aber durch Überlieferung.





Samstag, 13. Mai 2017

Verstehen und Trainieren

Wenn ich Gitarre spielen will, suche ich mir eine(n) Lehrer(in), bei dem /der ich regelmäßig Unterricht nehme.
Ich kann  leider nicht gut Gitarre spielen. Vielleicht liegt das ja am Lehrer oder an der Unterrichtsmethode? Ich suche mir einen neuen ... und einen neuen ... und einen neuen ....
Oder liegt es am System? Klassische Gitarre ist ja sowieso nicht mein Ding, Blues vielleicht ...???

Natürlich liegt es nicht am Lehrer oder an der Unterrichtsmethode oder an der Stilrichtung, sondern an meiner mangelnden Disziplin. Ich müsste üben, üben, üben - und das mache ich zu wenig. Es ist anstrengend und oft langweilig und ich muss mir jeden Tag Zeit nehmen. Die Fingerkuppen tun weh, bis sie endlich Hornhaut haben und die Trägheit meiner alten Muskeln nervt, denn gute Musik entsteht durch flinke Finger.

Was hat Gitarre spielen mit Reiten zu tun?

Es funktioniert nach dem gleichen Prinzip.  Nur wer übt und übt und übt, wird es lernen. Doch heute gelten anscheinend andere Regeln. Über Internet und die sozialen Medien treffe ich auf tausende von Reitlehrern/Reitlehrerinnen, die mir suggerieren, dass ich die Lehrkraft und das System wechseln muss, um mit Pferden glücklich zu werden.  So irren Reiter von Lehrer zu Lehrer und kommen doch keinen Schritt weiter.

Anstatt sich einzugestehen, dass es an ihrer mangelnden Disziplin oder ihrer körperlichen Trägheit oder ihrer nicht eingestandenen Angst liegt, suchen sie neue Lehrer und Lehren und manchmal sind diese Lehrer mit ihren Lehren Leute, die sich selbst nicht eingestehen möchten, ihr reiterliches Ziel nicht erreicht zu haben. So verändern sie schwupp die wupps das Ziel. Das was sie selber können, wird zum neu deklarierten Ziel und schon ist man Lehrer.

Das ist genauso bescheuert, als wenn ich drei Akkorde greifen kann und  Gitarrenunterricht geben will.  In der Musik würde es nicht funktionieren, warum funktioniert es in der Reiterei?

Beim Physio-Riding erkläre ich in meiner Eigenschaft als Tierphysiotherapeutin seit 1998, also seit fast 20 Jahren, physische und psychische Zusammenhänge, wodurch der Reiter das Reiten besser versteht, egal in welcher Reitweise er aktiv ist.  Das bedeutet jedoch nicht, dass er weniger diszipliniert an seinen Fertigkeiten arbeiten muss, um reiten zu lernen.

VERSTEHEN ist die Voraussetzung - TRAINIEREN ist der Weg.

In all den Jahren habe ich sehr viele Menschen kennengelernt, die das gleiche Ziel hatten.
Erreicht haben es die, die sich für einen Weg entschieden haben und dann diesen Weg gegangen sind, ohne wenn und aber, ohne Jammerei oder Ausflüchte, tagein und tagaus. Wer das nicht tat, wurde nicht glücklich und gab am Ende ganz auf oder ist jetzt Lehrer... für irgendwas ... rund ums Pferd.
























Montag, 27. März 2017

Antons Hirn raucht ... oder: Ein Pony grübelt

Im Rahmen des Physio-Riding beschäftigen wir uns mit den verschiedenen Ausbildungssystemen und Lernphilosophien. Dazu gehört natürlich auch ein Einblick in das Lernen mittels positiver Bestärkung, im allgemeinen auch Clickertraining, genannt.

Im folgenden Video ist eine eine Übungssequenz zu sehen, wie wir sie gerne ausführen, um die Handlungs- und Entscheidungsfindung des Pferdes zu beobachten.

ACHTUNG!
Hier wird keine Anweisung zum Trainieren gezeigt, sondern es ist experimentelles Ausprobieren nach dem Grundsatz  "Was passiert, wenn ...."

Erstes Ziel war es, dem Pony verständlich zu machen, dass es den gelben Eimer anticken soll.
Hierfür haben wir den Eimer bereitgestellt und sobald das Pony ihn angetickt hat, gab es den Klick und das Leckerli.

Dann wollten wir ausprobieren, wie das Pony reagiert, wenn mehrere Eimer zur Auswahl da stehen.

Dies könnt ihr im folgenden Video beobachten:

a) Zunächst probiert das Pony irgendeinen Eimer. Es bekommt keine positive Bestärkung, sondern wird weggeführt.

b) Beim erneuten Hinführen sieht man deutlich, wie das Pony überlegt. Es probiert nicht nur (denn es will nicht wieder weggeführt werden, was streng genommen, schon eine Bestrafung / negative Bestärkung nicht erwünschten Verhaltens ist) sondern das Leckerli verdienen.

c) Es probiert vorsichtig Möglichkeiten aus und beobachtet dabei die Reaktion des Menschen

d) Nachdem das Pony verstanden hat, dass es weiterhin nur um den gelben Eimer geht, handelt es sicher und routiniert.

Wenn man beobachtet, wie ein Pferd oder Pony mit solchen intelligenten Übungen umgeht und die Erkenntnisse aus diesen Beobachtungen für das Reiten nutzen will, ist klar, dass jede Art von Gewalt und Strafandrohung die wirklich schöne Kommunikation mit dem Tier nur behindern kann.

Und nun viel Spaß mit dem Filmchen, dem wir den Namen "Antons Hirn raucht" gegeben haben:


Vielen Dank an die Darsteller: Kim Stubbe, Linda Huttenlocher (zukünftige Physio-Riding Coaches), sowie Dozent Anton Bruns





Freitag, 17. Februar 2017

Reiter und Wissen

Bereits während meiner Ausbildung zur Tierphysiotherapeutin in 1998  befasste ich mich mit dem Thema "Diagnostik unter dem Reiter", schrieb hierzu eine Facharbeit und veranstaltete Workshops mit Therapeuten und Reitern, um die Zusammenhänge zwischen Pferdegesundheit und reiterlicher Einwirkung zu erforschen.

Bild links:
Bericht von unserem ersten Workshop mit Reitern und angehenden Tierphysiotherapeuten

Bis dahin behandelten Tierärzte Krankheiten mittels Medikamenten und Reitlehrer unterrichteten aufgrund Erfahrungen alter Reitmeister.  Beide Berufssparten hatten keine Verbindung untereinander.
Ich bin stolz darauf, behaupten zu dürfen, Pionierarbeit geleistet zu haben.

Das Physio-Riding als Symbiose aus Reitlehre und Tierphysiotherapie fand Beachtung in Tageszeitungen und diversen Fachzeitschriften. (Pegasus, Freizeit im Sattel, Cavallo, Mein Pferd u.v.m.) Seit 2005 ist es eine eingetragene Marke beim DPMA.
Wir haben inzwischen mit dem Verlag Pferdia ein wunderschönes Lehrvideo erstellt und beim Verlag Müller Rüschlikon ist ein Buch herausgekommen,

Nebenbei gibt es diverse Veröffentlichungen und Lehrbücher zu unserer inzwischen etablierten Physio-Riding Coachausbildung und wir haben das Konzept auf vielen Messen in ganz Deutschland vorgestellt.

Ich schreibe diese Zeilen heute, um mich selbst zu loben - tut ja sonst so selten jemand ... nein natürlich nicht, ich bekam und bekomme sehr viel sehr postives Feedback.

Bei aller positiver Entwicklung gibt es jedoch Fakten, die die Arbeit mit Pferden und Reitern sehr anstrengend gestalten und motivierte Trainer und Therapeuten oft zur Verzweiflung oder sogar zur Aufgabe bewegen.

Mich persönlich betrifft das nicht mehr. Ich bin inzwischen - nach weit über dreißig Jahren beruflicher Selbstständigkeit -  dickfällig und lange genug aktiv, um mich negativ beeinflussen zu lassen, bei vielen jungen Kollegen ist das jedoch anders.

Viele Reiter behaupten zwar, die Gesundheit ihrer Pferde an erste Stelle zu stellen, tun dies aber nur, solange es ihrer Wunschvorstellung von der Gestaltung ihres Zusammenlebens mit dem Tier nicht widerspricht. 

Hierdurch werden junge innovativ arbeitende Kollegen oft in eine Verteidigungsposition gezwungen, die sie nicht verdient haben und die auf Dauer sehr entmutigend wirkt.
Leider machen sich in dieser Stresssituation viele Kollegen, die eigentlich das Gleiche erreichen möchten, gegenseitig Konkurrenz anstatt zu kooperieren, und leider gehen viele Kollegen fachlich nicht vertretbare Kompromisse ein, weil sie sich bei ihren Kunden, den Reitern, nicht unbeliebt machen wollen.

Ich bin sicher, dass die großen Reitmeister  der Vergangenheit andere Lehrbücher geschrieben hätten, wenn sie unser Wissen über die Motorik und Psychologie des Pferdes gehabt hätten und sie würden sich vor Ärger im Grab herumdrehen, wenn sie wüssten, dass ihre Werke heute als klassisch und nicht mehr veränderbar gelten, obwohl wir doch heute vieles besser wissen.

Als die Reitmeister früherer Jahrhunderte ihre Bücher geschrieben haben, waren es neue Erkenntnisse, die verarbeitet wurden und sicher gab es zu allen Zeiten Traditionalisten, die Neues nicht akzeptieren wollten.

Heute sollten wir schlauer sein. 

Wären die alten Lehren perfekt und für jeden Reiter 
auch erlernbar und umsetzbar, 
gäbe es nicht so viele Pferde, 
die durch das Reiten krank werden. 





Sabine Bruns




Sonntag, 18. Dezember 2016

Wissenswertes zum Arbeiten im Kreis

Ich weiß, dass ich mich mit diesem Beitrag bei vielen Reitern sehr unbeliebt mache. Ich schreibe ihn trotzdem, denn das Thema brennt mir auf der Seele.

In der englischen Reitweise und auch in den Arbeitsreitweisen wurden junge Pferde immer schon zu Beginn ihrer Ausbildung im Kreis gearbeitet.  Die einen benutzten das Roundpen, die anderen die Longe und den Longierzirkel.

Waren die Pferde eingeritten, wurden sie im Gelände (bei der Arbeit, beim Militär) und auf dem Reitplatz weiter ausgebildet.

Kein Westernreiter kam früher auf die Idee, sein ausgebildetes Arbeitspferd drei bis fünf mal in der Woche im Roundpen im Kreis zu scheuchen. 
Warum auch?
Kein Englischreiter kam früher auf die Idee, sein ausgebildetes Reitpferd zu longieren. 
Warum auch? 

Heute ist das anders.
Das Wetter ist schlecht ... der Reiter hat zu wenig Zeit ... das Pferd kommt so
wild aus der Box und muss sich abreagieren ... der Reiter hat keine Lust zum reiten ... die Reithalle ist gerade so voll .... das Pferd soll "gymnastiziert" werden ... oder ... oder ... oder ...
Welche Gründe es auch immer sind, die Pferde werden bis zu ihrem Lebensende viel zu viel und viel zu oft im Kreis gearbeitet.

Warum zuviel?

Bei der Arbeit im Kreis, egal wie sie gestaltet wird, werden die Gelenke nicht gleichmäßig belastet, was zu Schmerzen und Krankheiten führen kann.
Wird das Pferd zusätzlich tief ausgebunden (zwecks vermeintlich hierdurch geförderter Rückentätigkeit), lastet zu viel Körpergewicht auf der Vorhand, wodurch die Gelenke der Vordergliedmaßen extrem belastet werden.  (Satiremodus an  * Hufrollenentzündung lässt grüßen * Satiremodus aus)
Das Ausbalancieren auf der Kreislinie fällt den Pferden schwer, deswegen neigen sie dazu, Muskeln anzuspannen, die während der Bewegung eigentlich losgelassen zwischen Spannung, Dehnung und Entspannung wechseln sollten. Je kleiner der Kreis, desto schlimmer, je schneller das Pferd, desto schlimmer. (Nein, Geschwindigkeit fördert nicht die Tragfähigkeit der Hinterhand.)

Warum gibt es in einem Fitnessstudio kein "Laufrondell"? 
Weil es kein Sportler benutzen würde. 
Im Kreis joggen schmerzt nach kürzester Zeit massiv in den Gelenken. 

Merken:

Die Arbeit mit dem Pferd auf der gebogenen Linie sollte nur in kurzen Phasen mit sehr häufigen Handwechseln und in Kombination mit Geradeaus-Lektionen stattfinden, damit das Pferd gesund bleibt. 

Bei gesunder Bodenarbeit ist die Biegung eine Lektion, die im Wechsel mit allen anderen Lektionen ausgeführt wird, aber niemals als Selbstzweck über einen längeren Zeitraum.





Dieser Beitrag darf gerne überall geteilt und verbreitet werden.